Die Tradition der “Socken” über dem Kamin

Der 6. Dezember, Nikolaustag, wird in Kanada allgemein nicht gefeiert. Kinder stellen nicht ihre Schuhe vor die Tür in der Nacht zum Nikolaustag, obwohl in unsere Cowboystiefel so einiges reinpassen würde :-). 

Dafür gehört es hier zur Tradition, sogenannte “Christmas Stockings”, Weihnachtssocken über den Kamin zu hängen. Bei vielen gehört dies zur weihnachtlichen Dekoration dazu und jedes Familienmitglied, auch die Vierbeinigen, haben ihr eigenes Stocking.

Stockings

Wo diese Tradition ihren Ursprung hat, ist nicht vollkommen geklärt. Eine Legende erzählt von einem Adligen, der all seine Hoffnung verlor, als seine Frau starb. Er verspielte leichtsinnig all sein Geld, bis er und seine drei Töchter aus dem Landhaus in ein Armenhaus ziehen mussten und in großer Not lebten. Die drei Töchter konnten ohne eine Mitgift nicht verheiratet werden.
Der großzügige Sankt Nicholas kam zur Hilfe. Ohne erkannt zu werden, warf er drei kleine Beutel voll Geld in den Kamin. Diese landeten in den Socken der jungen Frauen, die sie dort zum Trocknen aufgehängt hatten.
Die Töchter fanden das Gold, konnten heiraten und lebten glücklich bis an ihr Lebensende.
In Erinnerung an das Gold wurden Orangen in die Weihnachtssocken gesteckt. Ein Apfel bedeutete, dass der Empfänger das vergangene Jahr über brav gewesen ist.

Heutzutage würden sich Kinder sicherlich nicht sehr über Obst und Nüsse in ihren Weihnachtssocken freuen. Die Stockings werden mit Kleinigkeiten und Süßigkeiten gefüllt und in manchen Familien dürfen die Kinder diese Geschenke bereits am Heiligen Abend öffnen. Während weitere Geschenke erst am 25. Dezember ausgepackt werden. Denn die muss Santa Claus ja erst in der Nacht mit seinem Rentierschlitten verteilen.

Nikolaus-Gaben

Um das Jahr 1800 herum wurden das Anbringen der Weihnachtssocken am Kamin das erste mal erwähnt in dem bekannten Gedicht “The Night before Christmas” auch bekannt als “A Visit from St. Nicholas”. Als Verfasser wird meistens Clement Clark Moore (1779-1863) angegeben, obwohl es auch sehr viele Hinweise gibt, dass Henry Livingston, Jr. (1748-1828) das Gedicht geschrieben hat.

Als der Nikolaus kam
1947 übersetzt von Erich Kästner

In der Nacht vor dem Christfest, da regte im Haus
sich niemand und nichts, nicht mal eine Maus.
Die Strümpfe, die hingen paarweis am Kamin
und warteten drauf, daß Sankt Niklas erschien.
Die Kinder lagen gekuschelt im Bett
und träumten vom Apfel- und Nüsseballett.

Die Mutter schlief tief, und auch ich schlief brav,
wie die Murmeltiere im Winterschlaf,
als draußen vorm Hause ein Lärm losbrach,
daß ich aufsprang und dachte: Siehst rasch einmal nach!
Ich rannte zum Fenster, und fast noch im Lauf
stieß ich die knarrenden Läden auf.

Es hatte geschneit, und der Mondschein lag
so silbern auf allem, als sei’s heller Tag.
Acht winzige Rentierchen kamen gerannt,
vor einen ganz, ganz kleinen Schlitten gespannt!
Auf dem Bock saß ein Kutscher, so alt und so klein,
daß ich wußte, das kann nur der Nikolaus sein!

Die Rentiere kamen daher wie der Wind,
und der Alte, der pfiff, und er rief: „Geschwind!
Renn, Renner! Tanz, Tänzer! Flieg, fliegende Hitz‘!
Hui, Sternschnupp‘! Hui, Liebling! Hui, Donner und Blitz!
Die Veranda hinauf, und die Hauswand hinan!
Immer fort mit euch! Fort mit euch! Hui, mein Gespann!“

Wie das Laub, das der Herbststurm die Straßen lang fegt
und, steht was im Weg, in den Himmel hoch trägt,
so trug es den Schlitten auf unser Haus
samt dem Spielzeug und samt dem Sankt Nikolaus!
Kaum war das geschehen, vernahm ich schon schwach
das Stampfen der zierlichen Hufe vom Dach.

Dann wollt‘ ich die Fensterläden zuzieh’n,
da plumpste der Nikolaus in den Kamin!
Sein Rock war aus Pelzwerk, vom Kopf bis zum Fuß.
Jetzt klebte er freilich voll Asche und Ruß.
Sein Bündel trug Nikolaus huckepack,
so wie die Hausierer bei uns ihren Sack.

Zwei Grübchen, wie lustig! Wie blitzte sein Blick!
Die Bäckchen zartrosa, die Nas‘ rot und dick!
Der Bart war schneeweiß, und der drollige Mund
sah aus wie gemalt, so klein und halbrund.
Im Munde, da qualmte ein Pfeifenkopf,
und der Rauch, der umwand wie ein Kranz seinen Schopf.

Ich lachte hell, wie er so vor mir stand,
ein rundlicher Zwerg aus dem Elfenland.
Er schaute mich an und schnitt ein Gesicht,
als wollte er sagen: „Nun, fürchte dich nicht!“
Das Spielzeug stopfte er, eifrig und stumm,
in die Strümpfe, war fertig, drehte sich um,
hob den Finger zur Nase, nickte mir zu,
kroch in den Kamin und war fort im Nu!

In den Schlitten sprang er und pfiff dem Gespann,
da flogen sie schon über Tal und Tann.
Doch ich hört‘ ihn noch rufen, von fern klang es sacht:
„Frohe Weihnachten allen, und allen gut‘ Nacht!“

Das englische Original könnt ihr hier im Vergleich nachlesen.

Santa Claus

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Die Glücksschreiberinnen

Die meiste Zeit verbringt ein Autor alleine, am Schreibtisch, den Kopf voll mit Gedanken über Romanprojekte, die Finger über die Tastatur oder den Stift über Papier jagend. Wie schön ist es da, wenn man über den eigenen Schreibtischrand blickt und sich mit Gleichgesinnten zusammentut.

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