Buchgeplauder – Lesetipp Fantasy

Als Autorin lasse ich mich nur allzu gerne von Büchern meiner Kollegen und Kolleginnen inspirieren und begeistern. Lesend bin ich in fast allen Genres unterwegs und möchte euch die nächsten drei Wochen, immer Freitags in meinem Blog, zwei meiner aktuellen Lieblingsbücher erst im Fantasy, dann Thriller/Krimi und zum Schluss im Frauenroman- und Gegenwartsliteratur Genre vorstellen.

Lesetipp – Fantasy

Heute teile ich zwei Buchtipps aus dem Fantasy-Genre mit euch. Die Geschichten könnten unterschiedlicher nicht sein, aber gerade das macht für mich die Faszination von Fantasy aus.

Das erste Buch ist im High Fantasy Genre angesiedelt und für Drachenfans ein absolutes Muss. Am zweiten Roman hat mich, ich gebe es zu, der Titel und das Cover neugierig gemacht und ich war froh, die Geschichte um Wallace Price gelesen zu haben, die Fantasy ist, aber doch auch wieder nicht allein in diesem Genre Zuhause ist.

Lasst mich mit den Drachen beginnen

Elatar - Almina Quill

Elatar: Die Reise des Schicksals, von Almina Quill

Der Debütroman von Almina Quill ist der Auftakt einer Trilogie rund um die Protagonisten Dusan, Misha, Nelida und Lauris. Die vier Hoffnungsträger werden ausgesandt, um sich mit Drachen zu verbünden. Eine uralte Tradition, die in Vergessenheit geraten ist.

Die Stadt Hjelsky scheint ihre Bewohner durch Mauern und Verbote vor den außerhalb der Stadt schlummernden Drachen schützen zu wollen. Doch nun, so beschließt der Rat, ist die Zeit gekommen, eine handvoll junge Menschen auszuwählen, die als Drachengebundene zurückkehren und Friede, ebenso wie Hoffnung für die Stadt bringen.

Geschickte webt die Autorin vier verschiedene personale Erzähler zu einer abenteuerlichen Geschichte zusammen. In den Kapiteln wechseln sich die Erzählperspektiven ab und der Leser bekommt Gelegenheit, mit den einzelnen Charakteren mitzufiebern.
Die Hauptfiguren sind in ihren Wesenszügen sehr unterschiedlich, treten ihre eigene Reise an und sind doch mit einem gemeinsamen Ziel verbunden. Schicksalshafte Begegnungen und Erlebnisse verändern die Figuren und es ist spannend mitzuverfolgen, wie sie sich weiterentwickeln.

Nicht zu vergessen sind die Drachen, die auf eine herrliche, erfrischende Art von der Autorin auf die Seiten gebannt worden sind. Sie sind detailliert beschrieben, lustig, sarkastisch und einfach mitreißend. Ich würde mich nicht wundern, wenn Almina selbst ein kleines Drachenbündnis eingegangen ist, da es so wirkt, als kenne sie diese feuerspeienden Wesen persönlich.

Als Schreibcoach habe ich das große Vergnügen, die Entstehung des zweiten Bandes mitzuverfolgen und durfte auch bei Band 1 vorab schon einmal ein Auge darauf werfen. Die Fantasie und Erzählfreude Alminas ist wahrlich inspirierend und der Erfolg ihres Debütromans zeigt, dass Leser sich begeistert mit ihren Charakteren auf die Reise begeben.

Details

Verlag Nova MD, 478 Seiten, Ersterscheinung April 2022, ist als Taschenbuch und e-Book erhältlich.




Mein zweiter Buchtipp erhebt sich nicht mit Drachen in die Lüfte, sondern fängt da an, wo wir erst mal landen, wenn das Leben aufhört … im Teeladen von Hugo Freeman.


Das unglaubliche Leben des Wallace Price

Das unglaubliche Leben des Wallace Price, von T.J. Klune

Um diese Geschichte zu genießen, gibt es hier einen Hinweis sich erst einmal gedanklich zu entschleunigen. Das Buch bietet kein rasantes Abenteuer mit viel Spannung und Nervenkitzel. Nein, es ist eine Empfehlung für Leser, die Lust auf eine Geschichte haben, die von Atmosphäre, Tiefsinnigkeit und Emotionen lebt und im Leserherz und dem Nachhall, den sie hinterlässt, aufblüht.

Das Thema des Buches ist der Tod. Durchaus nicht etwas, mit dem wir uns, wenn überhaupt, gerne beschäftigen. Und der Protagonist, Wallace Price, ist anfangs unsympathisch, egozentrisch und absolut nicht liebenswert. Ein knallharter, erfolgsverwöhnter Anwalt, für den die Arbeit höchste Priorität ist und er dadurch, Familie, Freunde und Angestellte schlecht behandelt. Und mit so einem soll ich mehr als 400 Seiten miterleben wollen? Im Leben nicht. Und hier liegt der Knackpunkt, das Besondere an dem Buch. Denn mit einem lebenden Wallace muss der Leser auch nicht seine Zeit verbringen. Denn der Anwalt fällt eines Tages tot um und das kommt ihm in seiner Karriere äußerst ungelegen.
Und dann landet er auch noch im Teeladen von Hugo Freeman, einer Art Übergangsstation. Hier gibt man ihm die Zeit, sich auf seinen endgültigen Übergang einzustellen. Doch Wallace hinterfragt nicht nur seinen Tod, sondern bald auch schon sein Leben. Nach und nach erkennt man, was alles in Wallace steckt. Dem Autor gelingt es, die Haupt- und Nebencharaktere mit einem wunderbaren Facettenreichtum auszustatten und er verbindet tiefgründige, teilweise auch philosophische Passagen, mit humorvollen Tönen, die mich immer wieder zum Schmunzeln brachten.

Vor allem am Anfang hatte ich das Gefühl, von Ratschlägen und Sprüchen erschlagen zu werden. Wallace selbst sagt zu einer Figur: ““Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, dass Sie sich anhören wie ein Glückskeks.“ Lächelnd nickend über diese Bemerkung habe ich weiter gelesen und mich in die warmherzige Atmosphäre der Geschichte verliebt. Ebenso wie in Mei: “Oh, und ich bin Ihr Sensenmann. Ich bin hier, um Sie an den Ort zu bringen, an den Sie jetzt gehören.” Und dann, als wäre der Moment nicht schon bizarr genug, breitete sie die Hände aus, wie eine Zauberkünstlerin auf der Bühne. “Tataa!” (Zitat aus: Das unglaubliche Leben des Wallace Price von T.J. Klune)  Nelson und Apollo habe ich ebenfalls ins Herz geschlossen. Hugo, der Teeladenbesitzer, ist in seinem Denken und Handeln das komplette Gegenteil zu Wallace. Aber so gut er auch wirkt, ist er nicht unfehlbar und voller Selbstzweifel. Die mystischen Elemente, kleine Gruselfaktoren machen Freude beim Lesen, ich habe gelacht und die ein oder andere Träne verdrückt. Letztlich habe ich mich so tief in dieses Buch versinken lassen, dass es ein wenig schwer fiel, Hugos Teehaus wieder zu verlassen.

Es sind die kleinen Botschaften, die auf mich während dem Lesen einen Eindruck hinterlassen haben. Der Hinweis, unsere Zeit zu nutzen, die Zeit, die wir haben, die uns vergönnt ist. Das in Erinnerung zu rufen und im Herzen zu behalten, war ein leiser aber umso eindringlicher Effekt beim Lesen und Erleben dieser Geschichte.


Details

Erschienen im Heyne Verlag am 11. April, 481 Seiten, als Taschenbuch und e-Book erhältlich.

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Die Glücksschreiberinnen

Die meiste Zeit verbringt ein Autor alleine, am Schreibtisch, den Kopf voll mit Gedanken über Romanprojekte, die Finger über die Tastatur oder den Stift über Papier jagend. Wie schön ist es da, wenn man über den eigenen Schreibtischrand blickt und sich mit Gleichgesinnten zusammentut.

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