Ein Buch in fünf Tagen – live Experiment auf der FBM

Es ist nicht einfach, die vielfältige Eindrücke, Erfahrungen und Begegnungen, die die Frankfurter Buchmesse (FBM) für mich bereitgehalten hat, in ein paar Sätze zu fassen.
Aber ist nicht gerade das die Magie eines Autors, auch für Unbeschreibliches Worte zu finden?

Hier mein ganz persönlicher Rückblick auf die Frankfurter Buchmesse und das Experiment: In fünf Tagen live ein Buch auf der FBM zu schreiben.

Am Mittwoch ging es los. Jurenka Jurk vom Schreibfluss, meine Autorenkollegin Steffi um ich, trafen in Halle 3 am Stand K 12 zusammen. Zugegeben, ich bin erst mal verwirrt durch die Halle 3.1 gewandert, aber das nur am Rande.

Startschuss von „live ein Buch schreiben“ auf der FBM

Das „live ein Buch schreiben“ auf der FBM sollte um 10 Uhr beginnen. Mit einer live Schaltung via Facebook legte Steffi los. Bereits in der ersten halben Stunde kamen interessierte Pressevertreter an unserem Stand vorbei und interviewten uns zu unserem Experiment. Langsam begannen wir zu begreifen, wie außergewöhnlich und auch ein wenig verrückt unsere Idee war. Zugegeben, die 300 Seiten, die auf einem unserer Standposter als Ziel angeben waren, verschüchterten Steffi und mich ein wenig. Solche Hemmungen im Schreibfluss konnten wir nicht gebrauchen. Also schüttelten wir den Druck ab, nahmen uns 200 Seiten vor und ließen die Finger über die Tasten fliegen.

FBM - Natascha im Schreibfluss

Während des ersten und zweiten Messetages wechselten Steffi und ich uns mit dem Schreiben ab. Dies ermöglichte den Computerbildschirm auf einen Monitor zu werfen, auf dem die Messebesucher mitlesen konnten, was gerade geschrieben wurde. Am Ende von Tag zwei sahen wir jedoch, dass wir mit dieser Methode nicht unser angestrebtes Ziel von 200 Seiten erreichen würden.

Schreibfluss im Messetrubel

Ab Freitag begannen wir beide gleichzeitig zu schreiben. Steffi fühlte sich wohler am kleinen Tisch in unserem Stand, also stellte ich meinen Laptop auf die Theke, hinter mir der Monitor, vor mir die vorbeiströmenden Messebesucher. Ok, das war definitiv nicht meine gewohnte Schreibatmosphäre auf meiner Ranch … statt Hundeschnarchen, Kojotengeheul und leiser Country-Musik hörte ich Stimmengewirr, Rauschen und eine Diskussionsrunde von der „Frankfurt Authors“ Bühne direkt gegenüber. Durchatmen, Kopfhörer in die Ohren und eintauchen in die „Schwesterherzen“ (Arbeitstitel des Buches). Ich war selbst überrascht, wie schnell ich mit Musik ins Schreiben versinken konnte. Messebesucher blieben vor mir Stehen, lasen am Monitor mit, was ich schrieb. Es gab etliche Daumen hoch, „viel Erfolg“ Wünsche, die ich mit einem Lächeln und Nicken erwiderte.

Ein Aufschrei im Hintergrund ließ nichts Gutes erahnen. Der Laptop, an dem Steffi schrieb, hatte eine Ladung Tee abgekommen. Da hieß es dann schnell umstöpseln und weiter ging’s. Jurenkas Gelassenheit und Ruhe steckten uns an und die Freude am Schreiben war regelrecht fühlbar.

Am Ende des dritten Tags hatten Steffi und ich aufgeholt, wir waren schreib-hungrig und mit großer Lust und Freude dabei.

Besuchertag auf der FBM

Der Samstag brachte die angekündigten Menschenmassen. Messebesucher schoben sich vor unserem Stand vorbei, blieben stehen, fragten wie unser Projekt funktionierte, lasen neugierig mit. Die Energie des Tages schwappte auf uns über und die lockere, fröhliche Stimmung an unserem Stand brachte immer wieder neue Besucher. Am späten Nachmittag wurde es Steffi dann zu laut und sie zog sich zurück, Kräfte sammeln für den letzten Tag der FBM. In mir vibrierte die erregende Messestimmung und ich schrieb bis 18:15 Uhr. Handgelenke und Nacken schmerzten, aber das Erreichen des Ziels am Sonntag rückte in greifbare Nähe.

Euphorie und Gänsehaut, der letzte Schreibtag

Wir starteten in den Endspurt am letzten Messetag. Unsere geschriebenen Szenen vom Vortag kopierten wir zusammen. Doch, Hilfe, es fehlten noch 50 Seiten, um die 200 voll zu machen! Das war eine ganze Menge, aber wir waren bereit, es zu versuchen. Für mich fühlte es sich an, wie der Drang einen Film fertig zu schauen, den man am Ende des Tages wieder abgeben muss. Ich wollte das Kino in meinem Kopf bis zum Wort ENDE herausschreiben. Steffi und ich motivierten uns gegenseitig, Kopfhörer rein, Musik an und los ging’s.

Wir planten die letzten Seiten in einer live Übertragung auf Facebook zu schreiben, bis 16:30 Uhr hieß es, zu dieser letzten Szene zu gelangen. Auf dem Monitor war diesmal Steffis Laptop angeschlossen, ich konnte in einer Pause am frühen Nachmittag sehen, dass sie sich ihrer letzten Szene näherte. Meiner Protagonistin gehörte die letzte Szene, die ich im Live Feed schreiben würde.

Um 16:15 Uhr hatte Steffi ihr Werk vollbracht. Wir kopierten alles Szenen in ein Dokument und ich sah, dass noch 11 Seiten fehlten. Puh, mehr als erhofft für die letzten vierzig Minuten, aber ich gab mein Bestes.

Gemeinsam tippten wir das Wort ENDE … es war vollbracht und wir hatten 197 Seiten. Unsere ausgelassene Freude wurde durch die fehlenden drei Seiten keinesfalls geschmälert. Wir hatten es geschafft, allen Zweiflern, technischen Problemen, Messetrubel der FBM zum Trotz.

Und falls ihr euch fragt, ja, ich würde so ein Messeprojekt wieder machen.

FAZIT
Ich hätte nicht gedacht, dass mir dieses Buchprojekt so viel Spaß machen würde. Es war ein Rausch des Schreibens, eine unglaubliche Erfahrung. Nebenbei habe ich auch zahlreiche Exemplare meiner Willow Ranch Reihe verkauft, nette Gespräche mit zukünftigen Lesern und tollen Bloggern geführt. Diese Buchmesse war ein Motivationsschub, vertiefte meine Liebe zum Schreiben und zu meinem Autorenleben.

Ich freue mich jetzt bereits auf die Leipziger Buchmesse im März 2020.

Leave a Comment

Die Willow Ranch geht weiter …

Willow Ranch 2: Die Schattenkrähe der Rocky Mountains